WDVS: Dämmung und Putz als ein System
Ein WDVS ist kein Putz mit Dämmung davor, sondern ein zugelassenes System auf dem vorhandenen Untergrund — und der Untergrund entscheidet, nicht der Dämmstoff.
Das Wichtigste zuerst
Über die Dämmdicke entscheidet weder der Dämmstoff noch die Wand, die schon dasteht. Die ganze Bandbreite der im Handel gängigen Dämmstoffe bewegt sie um vier Zentimeter, und vier sehr verschiedene Massivwände brauchen für denselben Zielwert dieselbe Dicke. Entschieden wird ein WDVS Wärmedämmverbundsystem Dämmplatten werden auf die vorhandene Wand geklebt und gedübelt, darauf kommen Armierung und Putz. Das häufigste Verfahren beim massiven Mauerwerk, und dasjenige, das das Aussehen des Hauses am stärksten verändert. an zwei anderen Stellen: am Untergrund, der die Last dauerhaft tragen muss, und an den Rändern — Laibung, Sockel, Dachüberstand —, die die Aufbauhöhe begrenzen, bevor die Physik es tut.
Wann dieses Verfahren überhaupt in Frage kommt
Ein WDVS wird von außen auf die vorhandene Wand geklebt und gedübelt, danach armiert und verputzt. Das setzt zweierlei voraus: Die Fassade darf ihr Aussehen verändern, und die Wand muss einschalig sein — also aus einer durchgehenden Schicht Mauerwerk oder Beton bestehen, ohne Hohlraum dahinter.
Steht stattdessen ein zweischaliges Mauerwerk Eine Wand aus zwei getrennten Mauerschalen mit einer Luftschicht dazwischen, außen meist Klinker. Verbreitet ab etwa den 1950er Jahren im norddeutschen Raum. Nur diese Bauart lässt sich kerndämmen. mit Luftschicht, ist die Kerndämmung der billigere Weg und lässt die Fassade unverändert. Muss die Ansicht bleiben, weil sie unter Schutz steht oder weil Sichtfachwerk davor liegt, führt der Weg über die Innendämmung oder über die Regeln für Fachwerk und Denkmal.
Aus dem Baujahr lässt sich keine dieser Fragen beantworten. Zweischaliges Mauerwerk gibt es seit den zwanziger Jahren und einschaliges bis heute; welche Wand vor dir steht, sagt erst die Aufnahme — im Zweifel ein Bohrloch in einer Fuge und eine Endoskopkamera.
Der günstigste Zeitpunkt ergibt sich aus dem Gerüst. Es steht ohnehin, wenn Putz, Fenster, Dachrand oder Regenrinne bearbeitet werden. Wer diese Arbeiten zusammenlegt, zahlt das Gerüst einmal, und die Anschlüsse zwischen Fenster und Dämmung entstehen in einem Zug statt nacheinander.
Und eine rechtliche Schwelle liegt davor: Wer eine Außenwand ändert — Putz erneuern zählt dazu —, löst damit die Anforderung des GModG aus, sobald mehr als 10 % der Fläche dieser Bauteilgruppe betroffen sind.1 Was das im Einzelnen bedeutet, steht auf der Übersicht zur Fassadendämmung.
Was am Dämmstoff wirklich hängt — und was nicht
Die Frage, mit der fast jedes Gespräch anfängt, lautet: Styropor oder Mineralwolle. Sie ist berechtigt, aber sie ist nicht die erste, und sie entscheidet weniger, als ihr Gewicht vermuten lässt.
Ein Dämmstoff wird über seine Wärmeleitfähigkeit beschrieben, im Handel als Wärmeleitstufe. Zwischen der besten gängigen Stufe mit 0,032 W/(m·K) und der schwächsten mit 0,040 W/(m·K)2 liegt rund ein Viertel. In Zentimetern ausgedrückt ist das weniger, als es klingt.
Zwei Zielwerte stehen darin, und sie sind zwei verschiedene Dinge. Der 0,24 W/(m²·K) ist der Höchstwert, den das Ordnungsrecht bei einer Änderung der Außenwand zulässt.3 Der 0,20 W/(m²·K) ist keine Pflicht, sondern die Bedingung dafür, dass gefördert wird.4 Wer nicht fördern lässt, muss ihn nicht erreichen.
Der Abstand zwischen beiden ist die eigentliche Entscheidung an der Dicke — und auch er beträgt zwei Zentimeter. Was daran hängt, steht auf der Übersichtsseite; hier zählt die Folgerung: Weder die Wahl des Dämmstoffs noch die Wahl des Zielwerts verändert die Aufbauhöhe so stark, dass ein Haus daran scheitert.
Wie die Dicke gerechnet wird
Ein Bauteil wird über Widerstände gerechnet, und Widerstände addieren sich. Der Widerstand einer Schicht ist ihre Dicke geteilt durch die Wärmeleitfähigkeit des Materials. Dazu kommen zwei Übergangswiderstände an den Oberflächen: innen 0,13 m²·K/W für den waagerechten Wärmestrom einer Außenwand, außen 0,04 m²·K/W.5
Der U-Wert ist der Kehrwert ihrer Summe. Für eine Dämmdicke heißt das: Nimm den Kehrwert des Zielwerts, zieh den Widerstand ab, den die Wand samt Übergängen schon hat, und multipliziere den Rest mit der Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs. Gerundet wird auf gerade Zentimeter, weil Dämmplatten in Zweierschritten verkauft werden.
Warum die Bandbreite so klein ausfällt, sieht man an dieser Addition: Der Widerstand wächst linear mit der Dicke, der U-Wert fällt aber als Kehrwert. Die ersten Zentimeter nehmen den Löwenanteil, jeder weitere trägt weniger. Ein um ein Viertel schlechterer Dämmstoff braucht deshalb kein Viertel mehr Dicke am oberen Ende der Skala, sondern ein paar Zentimeter.
Vier Werkstoffe, vier verschiedene Gründe
Wenn die Dämmwirkung nicht die Entscheidung trägt, dann tragen sie die übrigen Eigenschaften. Danach wird ausgewählt:
- EPS — der Regelfall
- Expandiertes Polystyrol, umgangssprachlich Styropor. Leicht, günstig, in jedem Systemkatalog vorhanden, und die Wärmeleitstufen reichen bis in den besseren Bereich. Es ist brennbar, was es nicht ausschließt, aber an Auflagen bindet. Und es ist leicht — was in der Verarbeitung ein Vorteil ist und beim Schall ein Nachteil.
- Mineralwolle — wo die Auflage es verlangt
- Nicht brennbar und damit die Antwort auf jede Brandschutzauflage, die brennbare Dämmung ausschließt. Sie ist diffusionsoffener und schluckt Schall deutlich besser. Der Preis ist das Gewicht: Mineralwolleplatten werden praktisch immer zusätzlich mechanisch befestigt, weil der Kleber allein ihre Last nicht dauerhaft trägt.
- XPS — nur dort, wo Wasser steht
- Extrudiertes Polystyrol nimmt kaum Wasser auf und hält Druck aus. Deshalb sitzt es am Sockel und im erdberührten Bereich, wo Spritzwasser und Erdfeuchte an die Dämmung kommen. In der Fläche darüber ist es unnötig teuer. Wie der Übergang gebaut wird, steht bei der Sockeldämmung.
- Holzfaser — wenn der Sommer mitentscheidet
- Deutlich schwerer als die anderen drei und damit träge: Sie verzögert, wie schnell Wärme durch die Wand nach innen wandert. Für den Winter ist das ohne Belang, für heiße Wochen unter einem Dach oder hinter einer Südwand nicht. Sie liegt in der schwächsten der drei Wärmeleitstufen und braucht daher am oberen Ende die dicksten Platten.
Keiner der vier ist die richtige Antwort für jedes Haus, und keiner ist die falsche. Was die Auswahl bestimmt, sind Auflagen und Randbedingungen — Gebäudeklasse, Sockelanschluss, Schallbelastung, sommerliche Überhitzung —, nicht ein Vergleichstest.
Der Untergrund entscheidet, nicht das Etikett
Ein WDVS hängt an der Wand — buchstäblich. Sein Eigengewicht, die Windlast, die im Sturm daran zieht, und die Bewegungen aus Wärme und Kälte laufen alle über zwei Verbindungen: die Klebefläche und die Dübel. Trägt der Untergrund beide, hält das System jahrzehntelang. Trägt er sie nicht, hilft kein Dämmstoff der Welt.
Deshalb steht am Anfang keine Materialfrage, sondern eine Prüfung. Sie besteht aus vier Handgriffen, und keiner davon ist aufwendig:
- Haftet der vorhandene Putz noch?
- Abgeklopft wird die ganze Fläche. Wo es hohl klingt, hat sich der Altputz vom Mauerwerk gelöst; dort trägt auch die Klebefläche nicht. Solche Bereiche werden abgeschlagen, nicht überklebt.
- Ist die Oberfläche tragfähig und sauber?
- Kreidende Anstriche, Algen, Sinterschichten und alte Dispersionsfarben sind Trennschichten. Was sich mit der Hand abreiben lässt, hält auch keinen Kleber. Gereinigt und grundiert wird vorher, nicht als Nacharbeit.
- Wie eben ist die Wand?
- Dämmplatten sind steif. Was an Unebenheit über den Klebeauftrag hinausgeht, muss ausgeglichen werden — sonst entstehen Hohlstellen, an denen weder Kleber noch Dübel Kraft übertragen.
- Und was hält ein Dübel tatsächlich?
- Das wird am Bau gemessen, nicht aus dem Prospekt gelesen: Ein Ausziehversuch an einigen Stellen der Fassade sagt, welche Kraft der vorhandene Untergrund je Dübel überträgt. Aus diesem Wert folgt die Zahl der Dübel — nicht umgekehrt.
Kommt die Aufnahme zu dem Ergebnis, dass der Untergrund nicht trägt, ist das kein Ende. Es verschiebt nur die Antwort: Statt zu kleben, wird auf eine Unterkonstruktion gedämmt und die Fassade hinterlüftet. Das ist teurer und ändert die Ansicht stärker — aber es hängt an einer geprüften Befestigung statt an einer Klebefläche, von der niemand weiß, was sie hält.
Was ein Systemhersteller im Übrigen freigibt, steht in seiner Zulassung. Ein WDVS ist ein zugelassenes System und kein Warenkorb: Kleber, Platte, Dübel, Armierungsmörtel, Gewebe und Putz sind aufeinander abgestimmt und gemeinsam geprüft. Wer eine Schicht durch ein billigeres Produkt ersetzt, hat kein günstigeres System, sondern keins mehr — die Zulassung gilt für die Zusammenstellung, nicht für die Einzelteile.
Wie viele Dübel, und wie lang
Nach dieser Frage wird viel gesucht, und beantwortet wird sie fast nur von Händlern — nach Länge und Preis. Beides ist aber kein Kaufmerkmal, sondern das Ergebnis einer Rechnung.
Die Länge folgt aus zwei Größen: der Dämmdicke, die die Anforderung verlangt, und der Verankerungstiefe, die das Produkt im Mauerwerk braucht. Beide stehen fest, bevor jemand einen Dübel in die Hand nimmt — die erste aus der U-Wert-Rechnung, die zweite im Zulassungsdokument des Dübels. Wer die Dämmdicke ändert, ändert die Dübellänge mit.
Die Zahl folgt aus der Windlast. Sie hängt an der Windzone, in der das Haus steht, an seiner Höhe und daran, wo an der Fassade die Stelle liegt: An Gebäudeecken und am Dachrand zieht der Wind deutlich stärker als in der Mitte einer Wandfläche. Deshalb ist die Dübelzahl kein Wert für das ganze Haus, sondern ein Plan mit Randbereichen, in denen dichter gesetzt wird.
Dazu kommt der Dämmstoff selbst. Mineralwolle ist schwer und wird praktisch immer zusätzlich mechanisch befestigt. Bei leichtem EPS auf einem tragfähigen, ebenen Untergrund kann die Klebefläche allein genügen — kann, nicht muss: Sobald die Aufnahme Zweifel lässt, wird gedübelt.
Der Dübelteller ist zuletzt eine Wärmebrücke, wenn auch eine kleine. Er sitzt deshalb nicht auf der Platte, sondern versenkt, und wird mit einem Dämmstoffdeckel geschlossen. Man sieht ihn nicht, weil er nicht sichtbar sein soll — und sieht man ihn nach einigen Jahren als Punktmuster im Putz durchzeichnen, ist das ein Ausführungsmangel, kein Systemfehler.
Was die vorhandene Wand an der Dicke ändert
Die zweite Frage jedes Gesprächs lautet: Was für eine Wand habe ich denn? Sie ist für die Statik entscheidend und für die Dämmdicke fast belanglos — und das ist eine der wenigen Stellen, an denen sich ein Bauchgefühl klar widerlegen lässt.
Der Grund steckt in der Addition der Widerstände. Eine ungedämmte Massivwand hat gegenüber einer Dämmschicht einen kleinen Widerstand. Ob sie 24 oder 36,5 Zentimeter dick ist und ob der Ziegel schwerer oder leichter ausfällt, verschiebt die Summe kaum — und der Zielwert ist die Summe.
Deshalb wird auf diesen Seiten die reine Dämmschicht ohne Anrechnung vorhandener Schichten gerechnet.5 Die Wand verbessert das Ergebnis; wer sie mitrechnet, kommt auf dem 36,5er Vollziegel mit zwei Zentimetern weniger aus. Die genannten Dicken sind damit die ungünstige, sichere Seite — nicht die knappe.
Zwei Fälle nimmt das aus. Bei einer Wand, die bereits eine Dämmschicht trägt, und bei zweischaligem Mauerwerk mit Hohlraum liegt der Ausgangswert deutlich niedriger, und dann wird die Aufnahme wieder zur eigentlichen Arbeit. Genau dort trennt sich auch, ob ein WDVS überhaupt der richtige Weg ist.
Die Ränder deckeln die Dicke, bevor die Physik es tut
Eine Fassade ist keine Fläche, sondern eine Fläche mit Rändern. Und an den Rändern entscheidet sich, wie viel Aufbauhöhe überhaupt Platz hat — meist früher, als die U-Wert-Rechnung es täte.
- Der Dachüberstand
- Die Dämmung wächst nach außen, der Dachüberstand nicht. Wo er knapp ist, deckelt er die Dicke an der Traufe — oder er wird verlängert, was Zimmerer- und Dachdeckerarbeit bedeutet und den Zeitpunkt der Maßnahme an eine Dachsanierung bindet.
- Die Fensterlaibung
- Rundherum bleibt in der Laibung Die seitliche Fläche der Fenster- oder Türöffnung in der Wand. Sie ist schmal, wird deshalb gern nur dünn gedämmt, und genau dort wird die Wand am kältesten. selten so viel Platz wie in der Fläche. Dort wird deshalb mit dünneren, besser dämmenden Platten gearbeitet. Die Laibung ist zugleich die kälteste Stelle der gedämmten Wand — eine Wärmebrücke Eine Stelle, an der Wärme schneller nach außen kommt als in der Fläche daneben, etwa ein Balken, eine Ecke, ein Anschluss. Sie kostet Energie und ist die Stelle, an der Schimmel zuerst auftritt. , die sauber ausgeführt unauffällig bleibt und schlampig ausgeführt der erste Ort ist, an dem sich Schimmel zeigt.
- Der Sockel
- Unten muss die Dämmung ins Erdreich weitergeführt werden, sonst steht die Wand dort im Kalten. Das Material wechselt, weil Spritzwasser und Erdfeuchte anders wirken, und der Übergang braucht eine Abdichtung. Der Anschluss ist bei der Sockeldämmung beschrieben.
- Rollladenkästen, Balkone, Geländer
- Jedes Bauteil, das die Wand durchstößt, ist eine eigene Detailfrage. Ein alter Rollladenkasten wird bei dieser Gelegenheit oft mit ersetzt, ein auskragender Balkon bleibt eine kalte Platte, die sich nicht wegdämmen lässt, und jedes Geländer braucht eine Befestigung, die durch die Dämmung hindurch trägt.
- Alles, was an der Wand hängt
- Regenrohre, Außenleuchten, Klingelanlage, Briefkasten, Markise, Satellitenschüssel, Außensteckdosen, Wasserhahn. Sie werden abgenommen und mit passenden Montageelementen wieder gesetzt — jedes einzelne ist Arbeit, und in Summe sind sie ein Kostenblock.
Daraus folgt die Reihenfolge, die eine Fassadendämmung planbar macht: Erst wird aufgenommen, was an den Rändern geht, dann wird die Dicke bestimmt. Umgekehrt entsteht eine Zahl, die an der ersten Fensterlaibung wieder zur Disposition steht.
Wird bei der Gelegenheit auch das Fenster getauscht, gehören beide Planungen zusammen: Die Einbaulage des neuen Fensters in der Wand bestimmt mit, wie kalt die Laibung danach ist. Was daran hängt, steht unter Einbau und Anschluss.
Brandschutz ist eine Auflage, keine Produkteigenschaft
Zu diesem Punkt kursieren feste Zahlen — eine Höhe, ab der etwas verboten sei, eine Dicke, ab der etwas nötig werde. Sie sind das falsche Format für die Antwort.
Der Brandschutz eines Gebäudes richtet sich nach der Bauordnung des Landes, in dem es steht, und innerhalb davon nach seiner Gebäudeklasse. Die Klasse hängt an Höhe, Nutzungseinheiten und Grundflächen. Sechzehn Länder haben sechzehn Bauordnungen; sie ähneln sich, aber die verbindliche Fassung ist immer die des eigenen Landes.
Was daraus folgt, ist eine Anforderung an das Brandverhalten der Baustoffe — und die Systemhersteller beantworten sie mit geprüften Ausführungen. Die beiden üblichen Antworten bei brennbarer Dämmung sind Brandriegel aus nicht brennbarem Material, die waagerecht durch die Fläche laufen, und Sturzschutz über den Fensteröffnungen, der verhindert, dass ein Brand von Geschoss zu Geschoss springt. Wo die Auflage brennbare Dämmung ganz ausschließt, ist Mineralwolle die Antwort.
Für ein freistehendes Einfamilienhaus ist das meist unproblematisch, für ein Mehrfamilienhaus oder ein Reihenhaus mit gemeinsamer Wand nicht selbstverständlich. Welche Ausführung dein Haus braucht, sagt die Bauordnung deines Landes zusammen mit der Zulassung des Systems — und diese Klärung gehört an den Anfang der Planung, nicht in die Ausführung.
Was den Preis bestimmt
Der Dämmstoff ist der kleinere Teil. Den Preis machen fünf andere Dinge, und sie unterscheiden zwei Häuser mit derselben Fassadenfläche um ein Vielfaches:
- Das Gerüst
- Es hängt an Fläche und Höhe, nicht an der Dämmung — und es steht so lange, wie die Arbeit dauert. Läuft eine zweite Gewerkeleistung mit, teilt sie es.
- Der Zustand des Untergrunds
- Was abgeschlagen, ausgeglichen oder grundiert werden muss, ist Vorarbeit, die vor der ersten Platte anfällt. Genau sie zeigt die Aufnahme — und genau sie fehlt in jedem Angebot, das ohne Aufnahme zustande kam.
- Die Gliederung der Fassade
- Nicht die Fläche zählt, sondern die Zahl der Ränder. Zwanzig Fenster erzeugen zwanzigmal Laibung, Anschluss und Fensterbank; acht Fenster erzeugen acht.
- Was an der Wand hängt
- Jedes Anbauteil wird demontiert und neu gesetzt. Regenrohre, Leuchten, Markisen, Geländer — sichtbar wenig Arbeit, in Summe ein eigener Posten.
- Was ohnehin gemacht wird
- Wäre der Putz sowieso fällig, wäre das Gerüst sowieso gestellt worden, wären die Fensterbänke sowieso dran — dann trägt die Dämmung nur den Unterschied. Das ist der größte Hebel überhaupt und der Grund, warum der Zeitpunkt zählt.
Eine Spanne je Quadratmeter klingt nach Auskunft und ist keine: Sie mittelt genau die fünf Punkte weg, die den Unterschied ausmachen. Belastbar wird die Zahl erst durch eine Aufnahme, aus der Angebote hervorgehen, die sich vergleichen lassen — weil in allen dasselbe drinsteht.
Wo der Fördersatz endet
Über die Förderung wird in Prozent gesprochen, und Prozent ist die halbe Auskunft. Die andere Hälfte ist die Ausgabensumme, ab der der Prozentsatz nicht mehr weiterzählt — und die wird selten mitgenannt.
Zuerst zur Größe selbst, weil sie oft falsch gelesen wird: 30.000 Euro ist nicht der Zuschuss, sondern die Grenze der Ausgaben, die überhaupt mitgerechnet werden.4 Der Zuschuss ist der Prozentsatz davon. Was über der Grenze liegt, zählt nicht mehr mit — für die Fassade eines größeren Hauses ist das schnell erreicht.
Daran hängen drei Bedingungen, die regelmäßig übersehen werden, und alle drei kosten Geld.
Die erste: Die Grenze gilt je Gebäude und Kalenderjahr, nicht je Maßnahme. Fassade, Fenster, Dach und Kellerdecke rechnen alle gegen dieselbe Summe. Wer Fassade und Fenster im selben Jahr beauftragt, schöpft einmal aus, was er auf zwei Jahre verteilt zweimal ausgeschöpft hätte.
Die zweite: Der individuelle Sanierungsfahrplan verdoppelt die Grenze auf 60.000 Euro.4 Er muss aber bereits bei der Antragstellung vorliegen — nachgereicht wirkt er nicht, und der Antrag steht vor der Beauftragung. Er ist damit die größte einzelne Stellschraube dieser Rechnung und zugleich die, die aus Zeitgründen am ehesten ausgelassen wird. Was er enthält und wie lange er braucht, steht unter individueller Sanierungsfahrplan.
Die dritte: Der Bonus hängt an zwei Bedingungen, die im Markt fast nie mitgenannt werden. Die Fassade muss innerhalb von fünfzehn Jahren nach Erstellung des Fahrplans gebaut werden, und die Rechnung muss ein Mindestvolumen erreichen. Für eine Fassade steht beides selten im Weg. Bedingungen bleiben es trotzdem, und sie stehen im Antrag.
Für die Fassade selbst hängt der Zuschuss an der Bedingung aus der Grafik weiter oben: Die gedämmte Wand muss 0,20 W/(m²·K) erreichen.4 Nachgewiesen wird das mit einer Rechnung, nicht mit einem Produktdatenblatt. Welche Programme sonst noch greifen und in welcher Reihenfolge beantragt wird, steht in der Fördermittelberatung.
Was nach dem Gerüst bleibt
Ein WDVS ist eine Fassade und wird gepflegt wie eine. Der Oberputz ist die Verschleißschicht: Er verschmutzt, verwittert und wird nach Jahrzehnten erneuert — dieselbe Arbeit, die eine ungedämmte Putzfassade auch verlangt. Die Dämmschicht darunter bleibt dabei liegen.
An Nordseiten und unter dichtem Bewuchs zeigen sich häufiger Algen. Das ist ein Oberflächenthema und kein Bauschaden: Eine gedämmte Wand gibt weniger Wärme nach außen ab, ihre Oberfläche bleibt deshalb länger feucht. Was hilft, ist Abstand zu Bewuchs, ein ausreichender Dachüberstand und ein Putzsystem, das dafür ausgelegt ist.
Wird die vorhandene Dämmung eines Tages zu dünn, muss sie nicht herunter. Aufdopplung heißt das Verfahren: eine zweite Dämmschicht auf die vorhandene, mit eigener Befestigung und eigenem Putz. Sie ist an Bedingungen gebunden — der alte Aufbau muss tragfähig sein, und der Brandschutz wird für den neuen Gesamtaufbau neu betrachtet.
Risse sind ein Fall für sich. Feine Haarrisse im Oberputz sind Alterung. Risse, die dem Raster der Dämmplatten folgen, sind es nicht — sie zeigen, dass Bewegung im Aufbau steckt, und gehören angesehen, solange sie klein sind. Für so etwas ist eine Aufnahme mit der Wärmebildkamera das schnellste Mittel: Sie zeigt Hohlstellen und Fugen, bevor sie sichtbar werden.
Selber machen: was geht und wo es endet
Die Arbeitsschritte sehen einfach aus, und einige sind es. Aber ein WDVS ist ein zugelassenes System, und die Zulassung setzt eine Ausführung nach den Vorgaben des Herstellers voraus. Wer davon abweicht, verliert im Schadensfall genau die Grundlage, auf die er sich sonst berufen könnte.
Realistisch in Eigenleistung: Vorarbeiten und Aufräumen. Anbauteile demontieren, alte Fassadenfarbe abwaschen, Bewuchs zurückschneiden, den Arbeitsbereich freimachen, Bauschutt abfahren. Das sind echte Stunden, und sie senken die Rechnung, ohne die Ausführung zu berühren.
Nicht in Eigenleistung: alles, woran die Zulassung hängt. Der Klebeauftrag entscheidet über die Haftfläche, die Dübelsetzung über die Lastabtragung, die Armierungslage über die Rissfreiheit, die Anschlussdetails über die Dichtheit. Vier Schichten, vier Fehlerquellen, und jede zeigt sich erst nach Jahren.
Dazu kommt eine schlichte Rechnung: Das Gerüst steht ohnehin, und es kostet je Woche. Eigenleistung an der Fläche verlängert die Standzeit — der ersparte Lohn wird an dieser Stelle teilweise wieder ausgegeben, ohne dass jemand es merkt.
Und für die Förderung gilt: Materialkosten der Eigenleistung können berücksichtigt werden, die eigene Arbeitszeit nicht — und die fachgerechte Ausführung ist nachzuweisen. Wer fördern lässt und selbst baut, muss das vorher klären, nicht nachher.
Was kostet ein WDVS pro Quadratmeter?
Eine belastbare Zahl je Quadratmeter gibt es nicht. Über den Preis entscheiden Gerüst, der Zustand des Untergrunds, die Zahl der Fenster und Anbauteile und die Frage, was ohnehin gemacht wird. Zwei Häuser mit gleicher Fassadenfläche können sich dadurch um ein Mehrfaches unterscheiden — eine gemittelte Spanne wäre also gerade dort ungenau, wo sie gebraucht wird. Was weiterhilft, ist eine Aufnahme, aus der vergleichbare Angebote entstehen.
EPS oder Mineralwolle — was ist besser?
Für die Dämmwirkung nehmen sich beide wenig: Über die ganze Bandbreite der gängigen Wärmeleitstufen liegen rund vier Zentimeter Dicke. Unterschiedlich sind Brandverhalten, Schallschutz und Gewicht. Mineralwolle ist nicht brennbar und damit die Antwort, wo die Bauordnung brennbare Dämmung ausschließt; EPS ist leichter und günstiger. Welches von beiden an deine Fassade gehört, entscheiden die Auflagen deines Gebäudes, nicht ein Vergleich der Materialien.
Wie dick muss die Dämmung sein?
Das hängt am Ziel. Der gesetzliche Höchstwert bei einer Änderung der Außenwand liegt bei 0,24 W/(m²·K)3, die Bedingung für die Förderung bei 0,20 W/(m²·K)4. Auf einer üblichen Massivwand sind das mit einem Dämmstoff der gängigsten Wärmeleitstufe 14 beziehungsweise 16 Zentimeter. Die im Markt verbreitete Angabe „über 20 Zentimeter für die Förderung“ rechnet die vorhandene Wand nicht mit.
Muss ein WDVS gedübelt werden?
Bei Mineralwolle praktisch immer, weil sie schwer ist und der Kleber allein die Last nicht dauerhaft trägt. Bei leichtem EPS auf einem tragfähigen, ebenen Untergrund kann die Klebefläche genügen. Was tatsächlich gilt, folgt aus der Windlast an deinem Standort, der Höhe des Gebäudes und einem Ausziehversuch am Bau — nicht aus dem Datenblatt der Platte.
Wird die Wand hinter der Dämmung feucht oder schimmelig?
Bei einer Außendämmung ist es umgekehrt: Die alte Wand liegt danach im Warmen und wird trockener, nicht feuchter. Deshalb senkt eine Außendämmung das Schimmelrisiko in der Fläche. Aufmerksamkeit brauchen die Ränder — Laibungen und Anschlüsse bleiben die kältesten Stellen und entscheiden über das Ergebnis. Der Fall, in dem die Wand kälter wird, ist die Innendämmung, und er wird dort gesondert nachgewiesen.
Wie lange hält ein WDVS?
Der Aufbau ist auf Jahrzehnte angelegt; die Verschleißschicht ist der Oberputz, und er wird erneuert wie an jeder Putzfassade. Wird die Dämmung eines Tages als zu dünn empfunden, lässt sie sich aufdoppeln, statt sie zu entfernen — vorausgesetzt, der vorhandene Aufbau trägt und der Brandschutz wird für den neuen Gesamtaufbau neu betrachtet.
Meine Fassade ist verklinkert. Geht ein WDVS trotzdem?
Sichtbares Klinkermauerwerk ist meist die Außenschale eines zweischaligen Aufbaus mit Hohlraum dahinter. Dann ist die Kerndämmung der naheliegende Weg: Sie ist deutlich günstiger und lässt die Ansicht unverändert. Ein WDVS darüber wäre technisch möglich, nimmt der Fassade aber ihr Gesicht und ist im Aufwand nicht vergleichbar. Ob wirklich ein Hohlraum vorhanden ist, sagt eine Untersuchung — nicht das Baujahr.
Brauche ich für die Fassadendämmung eine Baugenehmigung?
In aller Regel nicht: Eine nachträgliche Wärmedämmung an einem bestehenden Wohngebäude ist in den Landesbauordnungen weitgehend verfahrensfrei gestellt. Genehmigungsfragen entstehen anderswo — beim Denkmalschutz, bei einer Gestaltungssatzung im Ortskern, wenn die Dämmung über die Grundstücksgrenze wächst oder wenn eine Abstandsfläche zum Nachbarn knapp wird. Diese Punkte gehören vor die Beauftragung, weil sie die Dicke begrenzen können.
Was passiert mit meinen Fensterbänken und dem Dachüberstand?
Beide wachsen mit. Fensterbänke werden durch längere ersetzt, weil die Wand nach außen dicker wird; sie sind fester Bestandteil des Angebots und kein Nachtrag. Der Dachüberstand kann zum Deckel für die Dämmdicke werden, wenn er knapp ist — dann wird entweder dünner gedämmt oder der Überstand verlängert, was Zimmerer- und Dachdeckerarbeit bedeutet. Beides gehört in die Aufnahme, nicht in die Bauphase.
Kann ich ein WDVS selbst anbringen?
Vorarbeiten ja, die Ausführung realistisch nein. Ein WDVS ist ein zugelassenes System, und die Zulassung setzt eine Ausführung nach Herstellervorgabe voraus. Klebeauftrag, Dübelsetzung, Armierungslage und Anschlussdetails entscheiden über Haftung, Lastabtragung, Rissfreiheit und Dichtheit — vier Stellen, an denen ein Fehler sich erst nach Jahren zeigt. Dazu kommt das Gerüst, das währenddessen weiterläuft.
Was hier gefördert wird.
Ob diese Maßnahme gefördert wird, hängt am Bauteil, am erreichten Wert und am Zeitpunkt des Antrags. Was davon auf dein Haus zutrifft, prüfen wir vor der Beauftragung.
Keine Fördersätze und keine Beträge auf dieser Seite. Förderkulissen ändern sich, und eine veraltete Zahl ist schlechter als keine. Was sich nicht ändert, ist die Reihenfolge: Antrag vor Auftrag. Wer zuerst beauftragt und dann beantragt, verliert den Zuschuss.
Das hängt mit anderem am Haus zusammen.
- Dachdämmung
Der Dachüberstand deckelt die Dämmdicke an der Traufe. Wo er verlängert werden muss, hängt der Zeitpunkt der Fassade an der Planung des Dachs.
- Fenstersanierung
Die Laibung ist die kälteste Stelle der gedämmten Wand, und wie kalt sie bleibt, entscheidet die Einbaulage des Fensters. Beides nacheinander zu planen baut dieselbe Schwachstelle zweimal ein.
- Fördermittelberatung
Der Höchstbetrag gilt je Gebäude und Kalenderjahr für alle Maßnahmen an der Hülle zusammen. Welche Reihenfolge daraus folgt, ist eine Frage der Förderplanung, nicht der Fassade.
Wo du weiterliest.
Übersicht Fassadendämmung Dort steht, wonach du entscheidest — und was die Reihenfolge mit dem Rest des Hauses macht.Andere Wege zum selben Ziel. Was für dein Haus in Frage kommt, hängt am Bestand — nicht daran, was sich allgemein am besten liest.
- Kerndämmung
Nur beim zweischaligen Mauerwerk. Die Hohlschicht ist schon da, deshalb ändert sich außen nichts — und deshalb wird hier kein U-Wert nachgewiesen, sondern ein Dämmstoffwert.
- Innendämmung
Wenn die Fassade bleiben muss. Eigene Seite, weil hier der Feuchteschutz über die Konstruktion entscheidet und nicht der U-Wert.
- Kellerdeckendämmung
Die untere Grenze des beheizten Bereichs. Eigene Seite, weil sie ohne Gerüst und meist ohne Eingriff in die Ansicht auskommt — eine andere Entscheidungslage als die Wand.
- Fachwerk und Denkmal
Sichtfachwerk und Baudenkmal haben eigene, mildere Anforderungswerte — und dieser Unterschied entscheidet über die Machbarkeit von innen.
- Sockeldämmung
Der Anschluss ans Erdreich, mit eigenem Dämmstoff und eigener Feuchtefrage. Er entscheidet mit darüber, ob die Fläche hält, was sie rechnet.
Wer diese Seite verantwortet
Robert Lammert
Geschäftsführer und Energieberater, zweiund50
- Eintrag in der Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes, dena
- Wohngebäude: Energieberatung (EBW), Energieberatung DIN 18599, Effizienzhaus (BEG WG, mit Zusatzqualifikation Lebenszyklusanalyse), Einzelmaßnahmen (BEG EM)
- Nichtwohngebäude: BEG NWG (mit Zusatzqualifikation Lebenszyklusanalyse), Einzelmaßnahmen (BEG EM)
- Schornsteinfegermeister (Bachelor Professional)
Der Aufbau wird am Bestand entschieden, nicht am Produktfoto.
Zuletzt geprüft am 12. August 2026. Rechtsstand und Fördersätze ändern sich; jede Zahl auf dieser Seite trägt ihre Quelle und ihr Abrufdatum.
Quellen
- Gebäudemodernisierungsgesetz § 36, Anforderungen an ein bestehendes Gebäude bei Änderung (bis Juli 2026: Gebäudeenergiegesetz § 48)Abgerufen 11.08.2026
- DIN 4108-4:2020-11, Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden, Teil 4: Wärme- und feuchteschutztechnische BemessungswerteTabelle 1, Zeile 4.1.2 (Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit von Mauerwerk)Abgerufen 31.07.2026
- Gebäudemodernisierungsgesetz Anlage 7 (zu § 36), Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten von Außenbauteilen bei Änderung an bestehenden Gebäuden (bis Juli 2026: Gebäudeenergiegesetz, Anlage 7 zu § 48)Abgerufen 11.08.2026
- Förderrichtlinie für die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) vom 17. Juli 2026, Anlagein Kraft seit 21. Juli 2026; ersetzt die Fassung vom 21. Dezember 2023 (BAnz AT 29.12.2023 B1)Abgerufen 12.08.2026
- DIN EN ISO 6946, Bauteile, Wärmedurchlasswiderstand und Wärmedurchgangskoeffizient, BerechnungsverfahrenTabelle der Wärmeübergangswiderstände, Wärmestromrichtung aufwärts, waagerecht und abwärtsAbgerufen 31.07.2026
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Ein kurzer Blick auf Baujahr, Fläche und Heizung, dann weißt du, woran du bist.
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